Weil es nie wieder passieren darf …

Hilfe bei Sexualisierter Gewalt

Sie können sich an uns wenden, wenn Sie Täter oder aber Opfer Sexualisierter Gewalt (oder auch beides) geworden sind. Leider bekommen wir eine finanzielle Förderung lediglich für die therapeutische Arbeit mit Tätern Sexualisierter Gewalt, sodass unsere Angebotsstruktur für diese Männer deutlich besser ausgebaut ist – wie auf dieser Seite im Folgenden ersichtlich. Männer, die ausschließlich Opfer Sexualisierter Gewalt geworden sind, lesen am besten weiter unter Hilfe bei erlittener Gewalt.

Vorgehen nach einer Therapieweisung aufgrund einer sexualisierten Gewalttat

Wenn Sie eine Weisung oder Auflage zur Therapie bekommen haben, klären Sie bitte zunächst die genauen Bedingungen: ob ambulante oder stationäre Therapie, ob die Anzahl der Sitzungen und der zeitliche Rahmen, in dem die Therapie erfolgen soll, festgelegt wurden oder wer über das Ende einer Therapie entscheiden soll. Wem soll eventuell eine Therapiebescheinigung vorgelegt werden? Gibt es Vorgaben bezüglich der inhaltlichen Ausrichtung der Arbeit? Und vor allem: Um welches Delikt genau handelt es sich? (Diese Frage ist schon daher von Bedeutung, da wir leider nicht mit allen Tätern sexualisierter Gewalt therapeutisch arbeiten können; siehe dazu auch unten die Begründung unserer Spezialisierung im Bereich der Therapie mit Sexualstraftätern!)  

Wenn Sie mit einer Therapieauflage zu uns kommen, sind Sie möglicherweise – und durchaus verständlicherweise – misstrauisch oder hoffen gar, möglichst einfach durch die Therapie zu kommen. Vielleicht gehen Sie davon aus, dass Sie auch in der Therapie weiterhin unter Kontrolle der Justiz sind und das Ganze nur eine andere Form der Bestrafung ist. Oder aber, dass Sie die Therapie nicht brauchen. Unter solchen Umständen ist es schwer, eine tragfähige Arbeitsatmosphäre in der Therapie herzustellen.

Sie können sich aber auch dazu entscheiden, sich über die Bedingungen der Behandlung zu erkundigen oder sich damit zu beschäftigen, was Therapie eigentlich ist. Sie können die Zeit und Energie für sich nutzen und ausprobieren, ob Sie mit dem Gesprächspartner nicht doch gemeinsam an Ihren Themen arbeiten können. Vielleicht hilft es Ihnen doch? Die Erfahrung zeigt uns, dass Sie nach einer gewissen Zahl von regelmäßig stattfindenden Terminen eine vertrauensvolle Beziehung zu Ihrem Therapeuten aufgebaut haben können und durch die bearbeiteten Themen merken, dass Ihnen diese Therapie hilft. Viele Männer nutzen dann unser Angebot sogar über die Zeit der Weisung oder Bewährungsstrafe hinaus – also ganz ohne äußeren Druck.

Näheres zum Therapieprojekt “Sexualisierte Gewalt”

Wenn Sie nähere Informationen zu unserer Projektarbeit im Bereich “Sexualisierte Gewalt” suchen, klicken Sie bitte den nächsten Abschnitt Projektdaten & -fakten “Sexualisierte Gewalt” an!

Zahlen & Fakten

Schon bald nach Gründung der man-o-mann männerberatung im Jahre 1990 erreichten uns die ersten Anfragen bezüglich therapeutischer Arbeit mit Männern, die ein Sexualdelikt begangen hatten. Nach intensivem Austausch und auch Kooperation mit anderen Therapeuten übernahmen wir schließlich erste Therapien. Gleichzeitig warben wir für die Finanzierung dieser Therapien bei spezifischen Institutionen, in der Öffentlichkeit und beim Land NRW. Seit 2001 wird die therapeutische Arbeit mit Sexualstraftätern im Rahmen des Projekts „Ambulante therapeutische Maßnahmen für Männer, die ein Sexualdelikt begangen haben“ durch das Justizministerium Nordrhein-Westfalens bezuschusst. Den zu leistenden Eigenanteil müssen wir über Bußgelder abdecken. Von Seiten verschiedener Behörden und Einrichtungen wurde das erweiterte Angebot der man-o-mann männerberatung schnell wahrgenommen und ist mittlerweile eine feste Größe in der Kooperation zwischen Justiz, Bewährungshilfe, städtischen Ämtern, Justizvollzugsanstalten, Rechtsanwälten, sozialen Einrichtungen und eben der man-o-mann männerberatung.

In 2013 konnten wir dank zusätzlicher Fördermittel die Ausweitung unseres therapeutischen Angebots in den Landkreis Lippe hinein initiieren. Seither können wir in unserer Zweigstelle in der Detmolder Innenstadt an einem festen Wochentag regelmäßige Einzeltherapiesitzungen durchführen. (Ein Gruppenangebot ist aus Kapazitätsgründen auch für 2017 noch nicht vorgesehen.) Das Problem, die Termine für die (teilweise berufstätigen) Klienten alle auf diesen einen Wochentag zu legen, ist natürlich nicht unerheblich, sodass teilweise Klienten aus dem Landkreis Lippe weiterhin in die Beratungsstelle in Bielefeld kommen müssen.

Derzeit sind sieben Mitarbeiter (teils ehrenamtlich, teils als Honorarmitarbeiter) für die man-o-mann männerberatung tätig. Alle sieben verfügen über psychotherapeutische Zusatzausbildungen und sind seit vielen Jahren in der Männer- und Täterarbeit beschäftigt, haben teilweise auch in diesem Fachgebiet publiziert.

Im Jahr 2016 hatten wir Kontakt zu 109 Männern (2015: 80, 2014: 81, 2013: 94, 2012: 79, 2011: 63, 2010: 57), darunter waren 73 Männer, die sich in diesem Jahr erstmalig meldeten. Mit 94 der 109 Männer wurde in 2016 eine Therapie durchgeführt. 15 Männer entschieden sich gegen eine therapeutische Behandlung – sie nahmen jeweils maximal 2 Beratungsgespräche in Anspruch. Von den 94 Therapien wurden 8 abgebrochen und 29 regulär beendet, so dass sich zum Jahreswechsel noch 57 Männer in Therapie befanden.

Neben den Einzelgesprächen findet eine Gruppe für Männer, die sexuellen Missbrauch begangen haben, parallel während des gesamten Jahres statt. Zwei Mitarbeiter leiten diese Gruppe, die mit acht Plätzen und als offene Gruppe konzipiert ist, d.h. frei werdende Plätze werden wieder von neuen Klienten belegt. In der Gruppe werden Männer behandelt, die Missbrauch oder sexuelle Beleidigung begangen haben oder sich im Internet kinderpornographische Bilder oder Filme angesehen und diese weiterverbreitet haben. Seit Ende 2015 gibt es zudem eine weitere Gruppe ausschließlich für jene stetig ansteigende Zahl von Männern, die ein Delikt im Bereich “Kinderpornoprahie” begangen haben.

Großen Wert legen wir auf Kooperation und Informationsaustausch mit anderen Einrichtungen. Mit SozialarbeiterInnen und PsychologInnen aus Justizvollzugsanstalten, BewährungshelferInnen, MitarbeiterInnen der Sozialen Dienste der Stadt aber auch RechtsanwältInnen und BetreuerInnen tauschten wir uns – nach Schweigepflichtsentbindung durch die Klienten – aus und informierten über den Therapieverlauf. Weiterhin gab es fallübergreifende Besprechungen mit KollegInnen der Bewährungshilfe.

Begründung unserer Spezialisierung

Seit dem Jahr 2020 arbeiten wir nicht mehr ambulant in unserer Männerberatungsstelle einzel- oder gruppentherapeutisch mit Sexualstraftätern mit sogenannten „Hands on-Delikten“ (also Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, intra- oder extrafamilialer Kindesmissbrauch). Die Gründe dafür sind vielschichtig, wir möchten hier nur kurz die beiden wichtigsten nennen: An oberster Stelle steht die Tatsache, dass die Zahl der sich bei uns zumeist mit einer Auflage meldenden Sexualstraftäter mittlerweile unsere Ressourcen in diesem Arbeitsfeld übersteigt, sodass eine Begrenzung grundsätzlich unvermeidbar ist. Da die Zahl der Täter mit dem Delikt „Kinderpornographiekonsum“ (ohne Hands on-Delikt) seit Jahren beständig ansteigt und sich diese Gruppe von Tätern zudem in vielerlei Hinsicht von anderen Sexualstraftätern unterscheidet, haben wir uns entschlossen, die notwendige Begrenzung entlang konzeptioneller Überlegungen vorzunehmen und ein speziell auf die Zielgruppe „Kinderpornographie-Konsumenten“ zugeschnittenes Angebot zu entwickeln und praktisch umzusetzen.

Hinzu kommt die jüngste Entwicklung im Bereich der therapeutischen Sexualstraftäterarbeit, dass die als notwendig erachteten Voraussetzungen für eine qualifizierte Arbeit mit dieser Personengruppe (in puncto Setting, Betreuungsintensität, Katamnese, persönlicher Qualifikation der Mitarbeiter etc.) deutlich ansteigen – wie etwa die neu formulierten Standards für Forensische Ambulanzen aufzeigen. Inhaltlich ist diese Entwicklung im Grundsatz natürlich zu begrüßen, da diese schwierige Arbeit (insbesondere mit Tätern, die massive und wiederholte sexuelle Übergriffe begangen haben) nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und hochqualifiziert zu betreiben ist. Wir als man-o-mann männerberatung haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten sicherlich ein gutes Know-How und auch Erfahrungsschatz in diesem Arbeitsbereich und mit ganz unterschiedlichen Tätergruppen aufgebaut, werden aber als kleiner Verein diese neu entstehenden formalen Bedingungen nicht zu 100 Prozent erfüllen können. Auch aus diesem Grund haben wir beschlossen, Täter mit Hands on-Delikten nicht mehr im ambulanten Setting therapeutisch zu versorgen.

Wir sind derzeit bemüht auszuloten, welche alternativen Behandlungsmöglichkeiten es für diese Täter in und um Bielefeld herum gibt, um hier eine entsprechende Vernetzung zu initiieren.

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man-o-mann
männerberatung
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